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23 | 04 | 2018
Umbau und Superung des Trix-Modells 112 499-9
Umbau-Anleitungen
Geschrieben von: Florian Schmidt   
Samstag, den 05. März 2005 um 15:00 Uhr

Umbau und Superung des Trix-Modells 112 499-9

 

 

Um eingefleischte Trix-Sammler gleich am Anfang zu besänftigen: ich gebe zu, daß ich eine Freveltat begangen habe! Ich habe ein altes "Schätzchen" soweit umgebaut, daß ein Rückbau in den Originalzustand praktisch nicht mehr möglich ist. Eingefleischten Trix-Sammlern ist also anzuraten, im Menü eine andere Rubrik anzuklicken, um sich den Anblick dessen, was hier mit einer Lok ihres "Lieblingsherstellers" geschehen ist, zu ersparen. Aber auch wenn das hier vorgestellte Modell auf Mittelleiter-Wechselstrom umgebaut wurde, dürften auch Express-Freunde und Gleichströmer von den Vorschlägen in Sachen optischer Aufwertung und Neumotorisierung profitieren.

Bekannt dürfte mittlerweile der Umbauvorschlag von Hans-Günter Heiserholt sein. Er zeigt auf seiner Homepage, wie man die Lok aus dem Rheingold-Set 31326 für Mittelleiter-Wechselstrom umrüstet.

In der ersten Jahreshälfte 2004 lief mir diese alte 112er von Trix bei ebay zu einem guten Preis über den Weg. Es handelte sich um ein Trix-International Modell, so daß ich davon ausging mir den Radsatztausch sparen und den Umbau für Mittelleiter-Wechselstrom einfacher durchführen zu können. Dieses Modell ist einer der Vorläufer der Lok aus dem Set 31326. Nicht nur die Gehäuseform, auch das Fahrwerk verrät zweifelsfrei die Zugehörigkeit zur gleichen Familie.

 

Die Lok wurde also "so wie sie war" umgebaut. Das Bild zeigt die Schleifermontage. Der Schleifer 7175 von Märklin braucht nicht verschraubt zu werden. Er wird mit seiner Pertinaxplatte in die mittlere Aussparung des Drehgestells, zwischen die beiden Radschleifer gepresst - er sitzt dort so fest, daß sich dies erübrigt. In dem antriebslosen Drehgestell ohne Ritzeln auf den Achsen kann er problemlos einfedern.

 

Konsequenzen

 

Leider enttäuschte das Modell jedoch vom ersten Tag an. Besonders fiel das ruppige Fahrverhalten des Modells auf. Bei einem abrupten Halt vor einem roten Signal war der Auslauf gleich Null und einige der angehängten Wagen mussten wieder aufgegleist werden. Mir war klar, daß dies nicht so bleiben konnte. Zwar ist diese alte Trix-Technik praktisch unverwüstlich; heutigen modellbahnerischen Gesichtspunkten genügt sie schon lange nicht mehr. Auf dem Bild linkerhand ist die originale Antriebstechnik der Lok zu sehen. Als dann das Set 31326 erworben und dessen Lok nach der Anleitung von Hans-Günter Heiserholt märklin-tauglich gemacht wurde, und diese von Anfang an durch eine exzellente Laufkultur bestach, fielen die miesen Fahreigenschaften der alten Lok sowie deren schlechtere Optik umso störender auf.
   
 

 Besonders die "blinden", nicht durchsichtigen grauen Fensterscheiben gaben dem Modell den optischen Todesstoß. Eine Lok mit solchen Fensterscheiben ist auf dem Foto rechts zu sehen. Die Lok aus dem Set 31326  hingegen besitzt ein formtechnisch leicht überarbeitetes Gehäuse, vorm allem aber durchsichtige Scheiben und Führerstands-Einrichtungen. Da bei dem Set kein Ersatzteilblatt vorhanden war, fragte ich bezüglich der entsprechenden Teile und Nummern bei Trix nach. Die Antwort kam prompt, die bestellten Teile wurden ebenso prompt geliefert, so daß der Einbau beginnen konnte.

Die Ersatzteilnummern sind:

12238500 für die Führerstandseinrichtung

301708 für die Fenstereinsätze

 

Einbau der neuen Fensterscheiben und Führerstandseinrichtungen

Als erstes wird die Blechabdeckung abgeschraubt, anschließend der Lichtleiter ausgebaut. Speziell beim Ausbau des letzteren ist vorsichtig zu arbeiten, um ihn nicht zu beschädigen.

So empfiehlt es sich, den Lichtleiter mit einem Schraubenzieher aus dem dritten Spitzenlicht herauszudrücken und den gesamten Lichtleiter erst dann herauszuziehen, wenn er in diesem Bereicht wirklich nur noch locker sitzt. Anschließend werden die Griffstangen demontiert, welche die Scheiben ebenfalls halten.

Anschließend können die alten blinden Fensterscheiben herausgenommen werden. Die neuen Fensterscheiben - die man nun auch tatsächlich als solche bezeichnen kann - sind ebenfalls vorsichtig einzusetzen, anschließend werden Lichtleiter und Griffstangen wieder eingesetzt, welche zusätzlich die Fenstereinsätze halten.

     
Die Führerstandseinrichtung im Originalzustand

Die bearbeitete Einrichtung von vorne. Die Führerhaus-Rückwände wurden bis auf die Höhe der Maschinenraum-Türen abgefeilt. Der Spalt auf der Vorderseite sollte entweder gar nicht oder nur minimal verbreitert werden; leider habe ich zu viel abgefeilt.

Die Einrichtung von der Seite gesehen. Gut erkennbar sind die weiteren Anpassungen für die alte Lok: auch von den ins Führerhaus hineinragenden Wänden musste Material entfernt werden, um für die Haltstange mit dem Schraubgewinde (in dem die Blechabdeckung der Beleuchtung verschraubt wird und so auch die Inneneinrichtung hält) Platz zu schaffen. Bei der neueren Serie wurde das formtechnisch geändert.

     

Die Blechabdeckung für die Beleuchtung habe ich mir nicht mitbestellt und musste deswegen die alten Abdeckungen umarbeiten. Dazu musste nicht nur Material abgenommen werden, ich musste das Teil auch weitgehend neu zurechtbiegen und den Haltesteg in der richtigen Länge neu anlöten. Wegen dieses Aufwands empfehle ich, die neuen Teile gleich mitzubestellen.

Pantographen kann man ebenfalls von Trix bestellen, oder gleich auf die von Sommerfeld zurückgreifen. Die BR 112 besitzt Stromabnehmer des Typs DBS 54.

 

 
Die 112er mit neuen Dachstromabnehmern. Die Dachpartie wirkt nun deutlich vorbildgetreuer. Anpassungsarbeiten sind keine erforderlich, selbst die Isolatoren der alten Pantographen können weiterverwendet werden.
   

Ein Blick auf die neue Frontpartie der Lok, noch ohne Beschriftung. In Verbindung mit den neuen Pantographen ein angenehmer Unterschied zum Originalzustand!
   

 

Neumotorisierung
   
Für gewöhnlich verpasst man einer Lok, die durch ungenügende Laufeigenschaften negativ auffällt, einen Faulhaber-Motor. Allerdings haben solche Umbausätze auch ihren Preis, und so kam mir das Angebot der beiden Trix-Freunde Heiko Mehnert und Bern Tauert gerade recht. Sie hatten sich mit der Problematik der alten "Kaffeemühlen-Motoren" befasst und dabei eine Reihe von Umbausätzen für Trix-Fahrzeuge entwickelt. Gewiss spricht ihr Angebot in erster Linie Anhänger des Trix-Express-Systems an, aber auch für Zweileiter-Gleichstrom- oder Mittelleiter-Wechselstrom-Fahrer besteht keinerlei Grund, ihre Trix-Oldies damit ihre Trix-Oldies mit solchen Umbausätzen nicht auf den neuesten Stand zu bringen!

Zur Homepage von Heiko Mehnert gelangt man hier: http://www.h-mehnert.de

Das Ergebnis kann sich dabei wirklich sehen lassen: musste man zuvor bei abrupten Halt an einem roten Signal einen Teil der Wagen neu aufgleisen, so verfügt die Lok nun über eine exzellente Laufkultur, die sogar viele Serienmodelle in den Schatten stellt. Daneben gehören auch die deutlich zu hohe Geschwindigkeit sowie der Kaffeemühlen-Sound der Vergangenheit an.

Die Idee des Keilriemenantriebs stammt eigentlich von der Firma Trix selbst; in zahlreichen später produzierten Lokomotiven wurde ein solches Antriebskonzept verbaut - auch die Rheingold-E 10.12 aus dem Set 31326 wartet mit einem solchen Antrieb auf.. Da es sich bei diesen Keilriemen (O-Ringe) ja um Konfektionsware handelt, ist auch ein späterer Ersatz sichergestellt!

   

 

Ansicht des neuen Innenlebens des Modells. Links ist der Mabuchi-Motor zu sehen, links der Fahrtrichtungsumschalter

   

   

Der Mabuchi-Motor mit Schwungmasse und Keilriemen. Die Einbauanleitung für solche Motoren schickt einem Bernd Tauert bei Bestellung eines Umbausatzes mit zu.

Das Antriebsdrehgestell mit Keilriemen von unten.
   
Beschriftung

Bei dieser Lok trat leider ein Phänomen auf, welches mir in meiner gesamten Modellbahner-Laufbahn noch nicht begegnet war. Die Lok war mit einer gräulich-bräunlichen Schmutzschicht überzogen.

Auch die Anwendung des bekannten Reinigungsöls SR24 brachte keinen Erfolg, so daß ich zur Radikallösung griff und der Schmutzschicht mit Spülmittel zu Leibe rückte.

Leider war durch die diversen und z.T. erfolglosen Reinigungsversuche auch die Beschriftung beschädigt worden. Waren die aufgedruckten Anschriften unversehrt geblieben, waren die DB-Logos und Nummernschilder beschädigt und abgegangen. Allerdings bestanden sie auch nur aus bedrucktem Papier. Kein Wunder daß sie also abgingen - ein Phänomen, das bei vielen Modellen zu beobachten ist, die auf die gleiche Weise von Trix beschriftet wurden. 

Somit musste also ein Teil der Beschriftung erneuert werden. Hier kann man selbst entscheiden, was man gerne möchte oder ob man die Lok umnummerieren möchte. Firmen wie Kuswa oder Ostmodell bieten den Service an, Lokschilder nach persönlichen Wünschen und Bedarf zu fertigen. Zudem gibt es bei Modellbau-Kreye Naßschiebebilder für viele Baureihen in unterschiedlichen Epochen.

Wichtig ist dabei die Größe der erhabenen Grundflächen für die Beschilderung:

DB-Kekse:  7 mm x 5 mm

Nummernschilder: 10 mm x 2 mm

Fabrikschilder: 4 mm x 3 mm

Ich habe mich für eine Beschriftung entschieden, bei der die DB-Logos zwar noch als Metallschilder aufgeschraubt, die Loknummern jedoch nur noch aufgemalt bzw. durch Klebefolie dargestellt sind - so wie diese Baureihe zu Beginn der Epoche IV unterwegs war.  Allerdings muß auch gesagt werden, daß die ursprüngliche Beschriftung aus Papierschildern keineswegs der Weisheit letzter Schluß ist, so daß ich eine Neubeschriftung in jedem Fall empfehle.

 

Räder

Nicht unbedingt notwendig dürfte der Tausch der Achsen sein. Falls ein Trix Express-Modell die Ausgangsbasis für den Umbau ist, kommt man natürlich nicht darum herum. Es passen die Märklin-Räder mit 14 mm Durchmesser:

Scheibenräder:

brüniert:

344830 mit Haftreifen
344860 ohne Haftreifen

vernickelt, Radscheibe seitlich schwarz:

217 610 mit Haftreifen
217 660 ohne Haftreifen

Speichenräder:

209 690 mit Haftreifen
209 620 ohne Haftreifen

Nicht vergessen werden darf, neben den neuen Rädern auch Einlegscheiben aufzuziehen. Ansonsten würde die Lok beim Anfahren sehr viel Seitenspiel bekommen und entgleisen. Grund dafür ist der wegen der Express-Ausführung schmäler ausgelegte Rahmen.

Die Trix-Achsen haben einen Durchmesser von 2,5 mm, wie die von Märklin. Die kleinsten verfügbaren Einlegscheiben haben einen Innendurchmesser von 2,7 mm. Ich habe pro Seite je zwei Einlegscheiben eingesetzt. Das reicht.

 

Die fertige Lok

Kaum wieder zu erkennen, aber es ist letztendlich das selbe Modell! Die Ätz-Beschriftung von Kuswa ist zwar der alten aus Papier genau nachempfunden (die alte Betriebsnummer habe ich beibehalten, was natürlich geändert werden kann!), jedoch wirkt sie wesentlich besser.

Aber Bilder sagen mehr als tausend Worte:

 

 

Eine ideale Wagengarnitur sind z.B. die beiden neuen TEE-Sets 45902 und 45903 von Roco, die 2004 herauskamen!

Einkaufszettel

Auch wenn die benötigten Teile bereits genannt wurden, möchte ich sie hier noch einmal als Übersicht zusammenfassen:

Anzahl Hersteller Nummer Beschreibung
1 Trix diverse Elektrolokomotive BR 110 Bügelfalte / 112 der DB
1 Bernd Tauert (Mabuchi)  - Umbausatz auf Mabuchi-Motor mit Riemenantrieb
1 Märklin 7175 Ski-Schleifer
2 Trix   Pantograph, alternativ auch von Sommerfeld!
2 Trix 301708 Fenstereinsatz
2 Trix   Abdeckung für Beleuchtung
2 Trix 12238500 Führerstands-Einrichtung
4 Märklin 344830 / 217610 / 209690 Rad mit Haftreifen
4 Märklin 344860 / 217660 / 209620 Rad ohne Haftreifen
16 Schrauben-Fachhandel  - Einlegscheiben (Distanzscheiben): Innendurchmesser ca. 2,6 - 2,8 mm, Außendurchmesser ca. 6 mm, Materialstärke ca. 0,7 - 0,8 mm
1 Uhlenbrock / ESU / Märklin nach Wahl Elektronischer Fahrtrichtungsumschalter oder Digitaldecoder

 

Fazit

Die Lokomotiven der BR 112 und 110.3 gehören zweifellos zu den schönsten und optisch wohl gelungensten, in Deutschland gebauten Elektrolokomotiven. Diesem hohen Anspruch des Vorbildes wird nun auch das Modell in jederlei Hinsicht gerecht. Vor allem bei diesem Umbau stellte sich manchmal die Frage, entweder alles hinzuwerfen oder weiterzumachen. Daß sich die Entscheidung für letztere Möglichkeit gelohnt hat, steht außer Frage, wenn man mit dieser Lok wieder auf große Fahrt geht.

 

Hinweis in eigener Sache: Sämtliche hier gezeigte Schritte stellen die von mir gewählte Vorgehensweise dar. Für Schäden, die durch Nachbauten entstehen, kann und werde ich keine Haftung übernehmen!

© 2005 Florian Schmidt